Historie

Von Schumanns Porzellan zum Bolle-Wagen und der Bolle Meierei

Bekannt wurde das Areal vor allem durch Carl Julius Andreas Bolle. Nach dem beruflichen Start als Maurerlehrling wurde er schließlich zu einem außerordentlich kreativen Unternehmer. Zuerst handelte er – ab 1860 – mit dem Eis der im Winter zugefrorenen Berliner Flüsse, dann mit Fisch und schließlich mit allem, was irgendwie mit Milch zu tun hatte. Berühmt aber wurde Carl Bolle erst durch seine Milchwagen. 1882 waren schon sechzig Milchkutscher mit den "Bolle-Wagen" unterwegs, von denen die Berliner frische Milch kaufen konnten – damals eine Sensation. Im Juli 1886 kaufte Carl Bolle für eine Million Mark das Gelände der Schumann’schen Porzellan-Manufaktur und ein knappes Jahr später nahm die Meierei C. Bolle hier ihren Betrieb auf. Frischmilch, eine teure Vorzugsmilch für Kinder, Magermilch und Käse sowie Butter und Margarine stellte Carl Bolle im Gebäude seiner Meierei her.

Für die Kinder seiner Arbeiter richtete er eine Schule ein, für die Erwachsenen im zweiten Stockwerk des Meiereigebäudes eine Kapelle mit 650 Plätzen. Als er 1893 am Ende des Gebäudes an der Straße Alt-Moabit eine Kapelle für 1.600 Personen einweihte, erschien sogar Kaiserin Auguste Viktoria. Außerdem sorgte Bolle mit seiner Gastwirtschaft und einer Leihbücherei für das körperliche und geistige Wohl seiner Mitarbeiter.
Im Jahre 1919 wurde in die Werkskapelle eines der ersten Berliner Kinos eingebaut. Das sogenannte "Welt-Kino" führte von 1966 bis 1999 unzählige Schulkinder in die Welt des Theaters ein und war Spielstätte Berliner Kammerspiele.